Sprachentwicklungsverzögerung (SEV)/ - störung (SES)

Sprachentwicklungsverzögerungen bzw. –störungen bei Kindern sind Verzögerungen oder Einschränkungen im Spracherwerbsprozess. Sie können alle Bereiche des Sprachsystems betreffen: die Aussprache/den Lauterwerb, die Grammatik/den Satzbau, den Wortschatz. In der Folge kann die allgemeine Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigt sein. Die Störungen zeigen sich in allen Modalitäten der Sprache, d.h sowohl beim Verstehen und Sprechen, als auch bei der Entwicklung des Lesens und Schreibens.

Aussprachestörung

Aussprachestörung

Aussprachestörung wird als Oberbegriff für verschiedene Formen von Lautbildungsschwierigkeiten verwendet. Wir unterscheiden die Artikulationsstörung und die phonetisch-phonologische Störung. Die Entwicklung des Lauterwerbs: Welcher Laut soll wann "gekonnt" werden?
Der Lauterwerb ist ein Prozess, der parallel verläuft mit der Erweiterung des Wortschatzes und des stzbaus, sowie dem Verfeinern der grammatikalischen Strukturen.

  • bis zum Alter von 3 bis 3;6 sind in der Regel alle Laute erworben bis auf die Zischlaute (ts, sch, s…)
  • Im Alter von 4 bis 4;6 sollten alle Laute und Konsonantenverbindungen erworben sein.


Symptome der Aussprachestörung
Eltern haben in der Regel ein gutes Gespür dafür wenn bei Ihrem Kind in einem Bereich Schwierigkeiten bestehen. Bei Aussprachesstörungen wird ihnen auffallen, daß

  • das Kind einige Laute nicht oder anders spricht als die meisten gleichaltrigen Kinder
  • sie das Kind selbst schlecht verstehen oder ihr Kind von anderen schlecht verstanden wird und sie seine Aussprache "übersetzen" müssen

Was machen die Kinder anders?
Bei einer Artikulationsstörung werden Laute nicht korrekt gebildet, d.h. an der falschen Stelle im Mund und auf die falsche Weise. Am häufigsten ist hierbei das Lispeln als Sigmatismus interdentalis oder addentalis (Zunge stösst bei den "s"-Lauten an die Zähne oder ist zwischen den Zähnen) und der Schetismus lateralis (Luft entweicht seitlich beim "sch")
(siehe Myofunktionelle Therapie)

Bei einer phonologischen Störung oder Verzögerung kommt es zu Lautverwechslungen z.B. wird das

"k" durch ein "t" und "g" durch "d" ersetzt

Koffer - Toffer
Komm-tomm
Käfer-täfer

"sch" oder "ch" durch "s"

Schaukel-saukel
Küche-Küse
Ich-is

Konsonantenverbindungen werden reduziert

Schnecke - necke
Brot-bot
Flasche-lasche

Oder auch sehr ungewöhnliche Lautersetzungen wie

Sonne-donne
Wanne-sanne
Tafel-Kafel

Befunderhebung
Eine Logopädin kann aufgrund eines Lautbefundes bereits ab 3 Jahren den Entwicklungsstand einschätzen, da bis dahin bestimmte Prozesse im Lauterwerb abgeschlossen sind. So kann differenziert werden ob die Entwicklung einer Verzögerung entspricht oder einer nicht regelgerecht verlaufenden Lautentwicklung. Dies bildet die Grundlage für die Entscheidung, ob eine logopädische Therapie schon in dem frühen Alter begonnen werden kann, denn ein früher Therapiebeginn kann die Therapiedauer erheblich verkürzen und verhindert, dass das Kind darunter leidet, schlecht verstanden zu werden.

Therapie
Artikulationsstörungen werden meist in Verbindungen mit der Behandlung der Mundfunktionen (siehe "myofunktionelle Therapie") behandelt. Sodann können die korrekten Laute angebahnt werden. Hierbei gilt das schrittweise Vorgehen isolierter Laut, der Laut in der Silbe, der Laut im Wort, der Laut im Satz und schließlich die Übertragung in die Spontansprache.

In der Phonologietherapie wird in einer ersten Phase nur rezeptiv gearbeitet wird, d.h. das Kind lernt Laute zunächst über das Hören zu unterscheiden. Hierfür werden Lautsymbole für eine ganze Lautgruppe eingeführt, z.B. "k" ist der Specht, "t" das spuckende Lama, "sch" die Dampflock etc.

In der nächsten Phase lernt das Kind in der eigenen Sprache diese Unterschiede zu hören und schrittweise das eigene Aussprachesystem zu verändern. Je weniger gefestigt ein falsches Aussprachesystem, umso schneller der Therapiefortschritt, was wiederum für einen frühzeitigen Therapiebeginn spricht! Die Eltern werden in den Therapieprozess mit einbezogen und zu häuslichen Übungen angeleitet. Wir arbeiten hier in Therapieintervallen, da die Kinder zwischen den Therapieblöcken die Zeit brauchen um das Erlernte zu verarbeiten.

Störung des Grammatikerwerbs

Störung des Grammatikerwerbs

Entwicklungsdysphasie - Störungen im Erwerb des Satzbaus und der Grammatik
Eine Störung des Grammatikerwerbs (Dysgrammatismus oder auch Entwicklungsdysphasie) zeigt sich durch Abweichungen oder das Fehlen von syntaktischen und morphologischen Strukturen.

Diese treten zumeist in Zusammenhang mit Auffälligkeiten in anderen Entwicklungsbereichen auf z.B. einer Aussprachestörung.


Der regelgerechte Erwerb von grammatischen und morphologischen Strukturen

Nach einer ersten Phase von Einwortäußerungen zeigen sich ab ca. 18 Monate die ersten Vorläufer einer syntaktischen Struktur im Zweiwortsatz.
Im Alter von 2-3 Jahren werden die Äußerungen länger (3-5 Wortsätze). Die Kinder vervollkommnen ihre grammatikalischen Strukturen, verwenden Verneinungsformen und Fragesätze.
Ab 3 Jahre beginnt der Erwerb von Nebensätzen, das Erlernen von Wortstellungsregeln im Satz und die wichtigsten anderen Grammatikregeln des Deutschen

Symptome / Beispiele für grammatikalische Auffälligkeiten

  • Bei einer Verzögerung kommt es zu einem insgesamt langsamen oder stagnierenden Erwerb von Satzstrukturen
  • Fehler beim Gebrauch von Kasus und Genus "der katze trinkt der milch"
  • Starre syntakische Strukturen z.B. das Verb wird nicht an zweiter Stelle gesetzt, sondern immer ans Satzende "ich ein ball brauche"
  • Auslassen von Funktionswörtern

Diagnostik und Befunderhebung
Die Diagnostik bei Störungen des Grammatikerwerbs geschieht zunächst durch eine Analyse der Spontansprache im freien Spiel und kann ergänzt werden durch standardisierte Testverfahren und Screenings. Ein ausführliches Anamnesegespräch mit den Eltern gibt die nötigen Hintergrundinformationen. Das Gesamtsprachbild wird eingeordnet und verglichen mit den anderen Entwicklungsbereichen des Kindes.
Sodann kann eine Therapieplanung gemacht werden, die sich an den Interessen des Kindes und an seinem Entwicklungsstand orientiert.

Therapie
Für die Therapie werden Spielsituationen ausgewählt in denen

  • Grammatikalische Strukturen bei der Durchführung von einfachen Handlungen angeboten werden
  • Zielstrukturen in verschiedenen Zusammenhängen wiederholt werden
  • Das Kind ermutigt wird, diese Strukturen zu übernehmen

Das Ziel ist das Erlernen und Integrieren der grammatikalischen Formen und Prinzipien um diese in der Interaktion anzuwenden.

Wortschatz

Einschränkungen im Wortschatz / Wortfindungsstörungen
 
Definition
Probleme der Semantik sind Einschränkungen im Wortschatz (auch: Lexikon) und Wortfindungstörungen, d.h. die Begriffsbildung ist nicht altersgemäß entwickelt. Sie werden im Zusammenhang mit der Gesamtentwicklung eines Kindes beschrieben.
 
Spracherwerb der Bedeutung
Der Bedeutungserwerb ist ein Prozess und entwickelt sich im konkreten Tun und mit den Erfahrungen, die das Kind macht. Mit ca. 18 Monaten hat ein Kind ein Lexikon von ca. 50 Wörtern, was ich explosionsartig weiterentwickelt.
 
Symptome einer semantischen Störung zeigen sich durch
  • das Vermeiden von sprachlichen Situationen
  • das Zurückgreifen vor vorsprachliche Kommunikationsmuster (Zeigen, Gesten) oder Ersatzwörter ("dingsda")
  • Ausweichende Antworten
  • Kein Fragen nach Bedeutungen ("was ist das?")
  • Ersetzungen von Wörtern durch unspezifische Oberbegriffe, andere Wörter aus dem gleichen semnatischen Feld ("Wasser" statt "See") oder auch Eigenkreationen
Befunderhebung
Ein ausführliches Anamnesegespräch mit den Eltern gibt uns die Hintergrundinformationen zur allgemeinen und sprachlichen Entwicklung des Kindes. Im freien Spiel machen wir eine Sprachstandserhebung, die ergänzt werden kann durch standardisierte Testverfahren und Screenings.
Es wird differenziert, ob Wörter unbekannt sind (Wortschatzdefizite) oder die entsprechenden Wörter nicht aktiviert/abgerufen werden können (Wortfindungsstörung).
 
Therapie
  • Im Vordergrund steht das Entdecken der Freude an der sprachlichen Kommunikation in ausgewählten Spielsituationen
  • Wir treffen eine Auswahl an Handlungen und Situationen im Spiel, die zur Notwendigkeit der semantischen Differenzierung führen
  • Wir erarbeiten semantische Strategien zur Begriffsbildung (z.B. Fragen stellen)
  • Wir zeigen dem Kind die Regeln der Begriffsbildung innerhalb eines Wortfeldes z.b. Teil-Ganzes-Relationen
  • Erkenntnis über das fehlende lexikalische Wissen

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