Myofunktionelle Störung (MFT)

Eine myofunktionelle Störung ist eine Störung des Muskelgleichgewichtes im Mund- und Gesichtsbereich und damit aller am Schluckvorgang beteiligten Strukturen. Dies zeigt sich meist in einem falschen Schluckmuster, d.h. die Zunge drückt beim Schlucken gegen oder zwischen die Zähne anstatt gegen den Gaumen. Da die Schluckbewegung, die täglich unbewußt bis zu 2000 mal am Tag ausgeführt wird, maßgeblich den Gaumen und den Oberkiefer ausformt, kann ein abweichendes Schluckmuster Zahn- und Kieferanomalien zur Folge haben sowie Aussprachestörungen (Lispeln).


Symptome
  • Mundatmung: Die Zunge ruht im Mundboden oder zwischen den Zähnen, was den Mundschluß erschwert
  • Artikulationsstörungen, wobei meistens die Laut /sch/, /z/, /s/, /ch/ betroffen sind: die korrekte Lautbildung gelingt nicht aufgrund falscher oder fehlender Muskelfeinspannung von Lippen, Zunge, Kiefer und Gaumen
  • Zahnstellungsanomalien: drückt die Zunge z.B. immer zwischen die Schneidezähne, kann es zu einem sogenannten "offenen Biß" kommen
  • Schnarchen: das Zusammenspiel der Muskeln im hinteren Mundbereich führt dazu, daß das erschlaffte Gaumensegel im Sog der Atemluft flattert

Die Ziele der myofunktionellen Therapie

  • Aktivierung der Nasenatmung
  • Erlernen der korrekten Zungenruhelage
  • Verbesserung der wahrnehmung im Mund- und Gesichtsbereich und Training der gesamten Muskulatur
  • Erlernen des korrekten Schluckmusters
  • ggf. Begleitung beim Abbau von Habits wie Daumenlutschen oder Schnuller
  • Erarbeiten der korrekten Lautbildung

Wenn die myofunktionelle Störung eine Kieferanomalie verursacht oder aufrecht erhält, dann ist die Durchführung einer myofunktionellenTherapie beim Logopäden eine wichtige Begleitbehandlung zur kieferorthopädischen Korrektur, um zu verhindern, dass es nach kürzester Zeit wieder zur selben Fehlstellung kommt. Daher arbeiten wir eng mit den behandelnden Kieferorthopäden zusammen.


Therapieverlauf
In unserer langjährigen Praxiserfahrung haben wir ein erfolgreiches Therapiekonzept zur myofunktionelle Therapie entwickelt, in dem wir verschiedene Therapieansätze kombinieren. Das systematische und schrittweise Vorgehen hat sich als effektiv erwiesen, so dass wir in der Regel in 15 – 20 Stunden die Behandlung erfolgreich beenden können.

1. Schritt: Der Kieferorthopäde oder Arzt stellt eine myofunktionelle Störung fest und verordnet eine myofunktionelle Therapie.
2. Schritt: Der erste Termin bei uns dient dem gegenseitigen Kennenlernen durch ein ausführliches Anamnesegespräch und die Befunderhebung durch Überprüfung der am Schlucken beteiligten Muskulatur. Auf der Basis einer vertrauensvollen Beziehung wird ist dem Patienten ein „Therapievertrag“ vereinbart, um die Basis für ein gutes Gelingen der Therapie zu schaffen. Diese Vereinbarung beinhaltet das Einhalten der wöchentlichen Therapietermine und die Durchführung der täglichen häuslichen Übungen. Bei Kindern und Jugendlichen ist es notwendig, dass die Eltern in die Therapie einbezogen werden

3. Schritt: 2.-ca. 10 Termin: Anwendung einer Kombination der Therapiekonzepte von ANITA KITTEL, GARLINER, MANUELLER STIMMTHERAPIE und PADOVAN. Dies bedeutet, dass wir eine passive manuelle Behandlung verbinden mit aktiven Übungen. Die Nasenatmung wird aktiviert, das Einhalten der physiologischen Zungenruhelage geübt und die muskulären Voraussetzungen für die Anbahnung des korrekten Schluckmusters werden geschaffen. Ggf. begleiten wir auch beim Abbau von Habits (Schnuller, Daumenlutschen) durch Analyse der aufrechterhaltenden Faktoren.

4. Schritt: Je nach Therapiestand wird im nächsten Schritt der Verlauf unterschiedlich gehandhabt:
 
Die Behandlung wird fortgesetzt, wenn der Patient korrekt schlucken kann Es folgt der Transfer des korrekten Schluckmusters im Alltag. Dies wird durch die Therapie in größeren Abständen (zwei- bis dreiwöchig) begleitet.   Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, findet eine Therapiepause von 8-12 Wochen statt, damit der Patient selbständig die erarbeiteten Inhalte zum Muskelaufbau trainieren kann. Dann folgt Schritt 4a.